Ein Community Land Trust für Berlin

Champlain Housing Trust – Burlington

Ein Community Land Trust, wie ihn die Stadtbodenstiftung umsetzen will, wäre in Deutschland zwar ein Novum, international gibt es jedoch bereits eine Vielzahl an CLT-Projekten, die die Stadtbodenstiftung inspirieren und ermutigen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Im Rahmen des Blogs sollen nun einige dieser Community Land Trusts vorgestellt werden.

1) Das große Vorbild aus den USA: der „Champlain Housing Trust“ in Burlington

In Burlington, einer beschaulichen Stadt mit knapp über 40.000 Einwohnern im Bundesstaat Vermont kam Anfang der 80er-Jahre eine große Idee auf: Durch die Schaffung eines Bestands an dauerhaft bezahlbaren Wohnungen könnte jeder Zugang zu einem erschwinglichen Haus haben, unabhängig vom Einkommen. Dies war die Vision einer zu dieser Zeit frisch gewählten progressiven Regierung, unter der Leitung des damaligen und heute nicht ganz unbekannten Bürgermeisters Bernie Sanders, der 1981 sein Amt in Burlington antrat. Sanders’ Regierung sah sich zu dieser Zeit gezwungen, Antworten auf die Wohnungsnot und die sichtbare Verdrängung der Arbeiterklasse aus dem Stadtzentrum zu finden und ermöglichte unter anderem 1984 die Schaffung eines Community Land Trusts in Burlington.

Soziale Nutzungen sind langfristig programmiert und werden in Mitbestimmung belegt

Heute ist die damals ins Leben gerufene Organisation – der Champlain Housing Trust – mit 2.000 Haushalten landesweit der größte und einflussreichste seiner Art. Besonders macht den CHT neben seiner Größe und Bekanntheit die breite Nutzungsmischung, welche von Mietwohnungen über Genossenschaften und gewinnbeschränkte Einfamilienhäuser bis hin zu Gewerbeflächen und sozialen Nutzungen reicht. 

Wohnen im CHT ist dabei im Durchschnitt auch für Haushalte erschwinglich, die nur 57 Prozent des mittleren Einkommens der Region verdienen. Einige der Wohnungen werden dabei stets besonderen Bedarfsgruppen vorbehalten. Beispielsweise gibt es um die 200 Wohneinheiten, die an soziale Träger vermietet werden, die Menschen mit psychischen Problemen helfen. Bei der Auswahl der Gewerbe gibt es eine fest verankerte Priorität für Gewerbe mit nachbarschaftlichem Bezug und gemeinschaftliche Einrichtungen. Das Gremium, welches die konkreten Nutzungsentscheidungen trifft, folgt der Drittelparität des klassischen CLT-Modells aus Bewohner*innen, Nachbarschaft und öffentlichen Personen und wird auf der jährlichen Mitgliedervollversammlung gewählt.

Über die sozialen Nutzungen auf dem Grund und Boden des CHTs hinaus, engagiert sich das Projekt auch in der Quartiers- und Nachbarschaftsentwicklung und baut bzw. saniert vom Waschsalon und Restaurant über Autowerkstätten bis zu Beratungsstellen für Obdachlose, Gebäude für nachbarschaftliche Zwecke in Burlington.

Best-Practice-Beispiel: Als erster CLT in den USA wurde der Champlain Housing Trust in Burlington mit aktiver organisatorischer und finanzieller Unterstützung der lokalen Stadtverwaltung gegründet. Mit einem Startzuschuss von 200.000 Dollar sowie einem Darlehen aus kommunalen Mitteln unterstützte die Stadt den neu gegründeten CLT, um dauerhaft bezahlbaren Wohnraum in Burlington zu schaffen. Die Einrichtung einer eigenen festen Finanzierungsquelle, dem kommunalen „Housing Trust Fund“ war dabei von zentraler Bedeutung für den Fortbestand des Projektes, welches nun seit mehr als 30 Jahren besteht und  2008 mit dem World Habitat Award ausgezeichnet wurde.