Ein Community Land Trust für Berlin

Caño Martín Peña CLT – San Juan (Puerto Rico)

Ein Community Land Trust, wie ihn die Stadtbodenstiftung umsetzen will, wäre in Deutschland zwar ein Novum, international gibt es jedoch bereits eine Vielzahl an CLT-Projekten, die die Stadtbodenstiftung inspirieren und ermutigen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Im Rahmen des Blogs sollen nun einige dieser Community Land Trusts vorgestellt werden.

2) Schutz für informelle Siedlungen: der „Caño Martín Peña CLT“ in San Juan

Der Caño Martín Peña Community Land Trust in San Juan ist der weltweit erste CLT, der in einer informellen Siedlung gegründet wurde und zeigt in besonderer Weise was das CLT-Modell bewirken kann. Gelegen am Martín-Peña-Kanal in San Juan – mit 30.000 Einwohner*innen eines der am dichtesten besiedelten Gebieten in Puerto Rico – hat der CLT das Ziel, die informellen Siedlungen vor Ort vor Verdrängung zu schützen, zu erhalten und gemeinschaftlich weiterzuentwickeln. Die Hälfte der Bewohner*innen aus den Siedlungen entlang des Kanals lebt dabei unterhalb der Armutsgrenze. Das durchschnittliche Einkommen ist dabei halb so hoch wie das landesweite Durchschnittseinkommen.

Vor diesem Hintergund umfasst der 2004 gegründete CLT mittlerweile rund 2.000 Haushalte und wird durch ein Gremium aus 11 Mitgliedern verwaltet. Ein überaus wichtige Organisationsstruktur, die stets 6 Vertreter*innen des Gremiums bestimmen darf, ist die lokale Nachbarschaftsorganisation G-8. Als eine nicht-gewinnorientierte Organisation, besteht G-8 aus Vertreter*innen der insgesamt 12 Nachbarschaftsorganisationen entlang des Martín-Peña-Kanals. Im Gremium selbst können neben den Bewohner*innen des CLT auch Vertreter*innen aus der Nachbarschaft und Kommunalpolitiker*innen vertreten sein.

Aufwertung ohne Verdrängung: CLT als Chance für informelle Siedlungen

Die Bedeutung und Funktion des CLTs steht in enger Verbindung zu den Plänen rund um das Ausbaggern des Kanals, einer Maßnahme, die die Lebensqualität der Menschen im Gebiet wesentlich verbessern würde, gleichzeitig, aber möglicher Verdrängung Vorschub leisten könnte. Das CLT-Modell stellt an dieser Stelle eine Möglichkeit dar, eine Aufwertung der Nachbarschaft, ohne nachfolgende Gentrifizierung zu realisieren und die Bedingungen informeller Siedlungen in Städten zu verbessern, ohne dass sie für die ursprünglichen Bewohner unbezahlbar werden. Als bisher erstes kollektives Eigentumsmodell in informellen Siedlungen hat der Caño Martín Peña CLT eine große Vorbildfunktion für andere informelle Siedlungen, auch in anderen Ländern wie Brasilien, Ecuador, Paraguay oder Peru, und wird dort bereits als richtungsweisendes Beispiel wahrgenommen.

Best Practice-Beispiel: Der Caño Martín Peña CLT zeichnet sich in besonderem Maße durch die intensive Nachbarschaftsarbeit aus. Diese macht sich sowohl in den bisherigen Entscheidungsprozessen des CLTs als auch in der Erarbeitung der grundlegenden Satzung bemerkbar. So gab es allein zwischen 2002 und 2004 mehr als 700 partizipative Treffen von lokalen Bewohner*innen und Expert*innen, um die lokalen Bedürfnisse zu erforschen und die rechtlichen Werkzeuge zur dauerhaften Sicherung bezahlbaren Wohnraums sowie die kollektive Sicherung des Grundstücktitels auszuloten. In den Nachbarschaftstreffen wurde die Grundlage für den sogenannten Comprehensive Development Plan entwickelt, der im Anschluss von der Planungsbehörde in Puerto Rico verbindlich festgeschrieben wurde.